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Meine Schändung
6.) Nur ein Objekt
Nach meiner Schändung in frühester
Kindheit haben meine Eltern und alle anderen in meinem Lebensumfeld sich
von mir innerlich verabschiedet. Ich durfte oder musste in meinem
Elternhaus groß werden, weil mein Vater mich brauchte, um die
Mitverbrecher sexuell und finanziell zu erpressen.
Und genau so behandelten sie mich
auch. Es gab keine sinnvolle Erziehung, sondern nur ein stetes Fordern,
das durch regelmäßiges Anschnauzen geregelt wurde. Da gab es keine
Liebe, kein Miteinander, nur ein gefühlloses Nebeneinander. Keiner
lachte mit mir, alle lachten nur über mich und drangsalierten mich auf
unerträgliche Weise.
Als ich ins arbeitsfähige Alter
kam, begann ich eine Maurerlehre. Zum ersten Mal bekam ich so etwas wie
Anerkennung, sie gaben mir eine gewisse Bestätigung dafür, dass ich Geld
nach Hause brachte, das sie ausgeben konnten. In Wahrheit war ich
keineswegs anerkannt, aber ich fühlte mich so, genau wie sich mein
Zwillingsbruder heute noch anerkannt fühlt.
Sie erkannten damals meinen
Arbeitslohn an, nicht aber mich als Mensch. Heute erkennen sie bei
meinem Bruder das Unwissen an, mit dem er die Taten ihrer Schändung
zudeckt.
Weil mir aber die Arbeit
unerträglich wurde, meldete ich mich bei der Technikerschule an, um mich
von der harten Maloche zu befreien. Nach dem Abschluss meiner
Technikerausbildung war ich aber schon nicht mehr richtig arbeitsfähig.
Da wollten mich meine Eltern loswerden, da nun aus ihrer Sicht, die
Nachteile die Vorteile überwogen. Eine eiskalte Rechnung.
Mehrmals versuchten sie eine Frau
für mich zu finden, die geeignet war, mich in genau der Hörigkeit zu
halten, in der sie mich erzogen hatten. Ich aber suchte eine Frau, die
zu mir halten würde und nur zu mir. Daher scheiterten all diese Vorhaben
schon im Ansatz.
Als ich dann nach meiner zweiten
Technikerausbildung zu einer weiten Reise aufbrach, dachten sie wohl,
sie wären mich jetzt endlich losgeworden. Als ich aber doch
zurückkehrte, setzten sie ihre Versuche, mich abzustoßen, fort.
Als meine dritte große Liebe
scheiterte, zeigten sich die äußeren Zwänge als so groß, dass ich zwei
ganze Jahre durch die Welt reisen oder fliehen musste, mit dem
schließlichen Ergebnis, dass eine Schizophrenie bei mir ausbrach. Jetzt
gab es für meine Eltern nur noch eins: mich endgültig in die Psychiatrie
abzuschieben. Eine letzte Reise ohne Wiederkehr. Sie versuchten alles,
um ihre Absicht in die Tat umzusetzen. So fuhr mein Vater mit dem
damaligen Ortsbürgermeister Helmut Berg, der an meiner Schändung
beteiligt gewesen war, in die psychiatrische Klinik, um den Ärzten ein
für allemal klar zu machen, dass sie mich für immer einsperren müssten.
Doch alle ihre Versuche scheiterten. Eine Ärztin sagte zu mir: „Herr
Kemmer, ein für immer in die Psychiatrie, das gibt es heute nicht mehr,“
Dennoch versuchten meine Eltern es
immer erneut. Einmal war es in einem Übergangswohnheim für psychisch
Erkrankte. Dort konnte ich aber wegen der beengten Wohnverhältnisse und
den ständigen Anfeindungen nicht leben. So kehrte ich also erneut
zurück, bis sie es doch noch schafften, mich in eine
Behindertenwerkstatt für psychisch Erkrankte abzuschieben. Dort konnte
ich es aushalten, weil ich mir eine eigene Wohnung besorgt hatte.
Während ich in dem
Behindertenkreis lebte, zahlte die Schänderbande über 200.000 DM auf ein
Konto für mich ein. Ob sie dies freiwillig oder auf deutlichen Druck
meiner Eltern hin taten, das weiß ich nicht. Walter Echternacht bemerkte
einmal: „Die Alten würden sich gerne noch freikaufen.“
Später, als ich einen
Vermögenpfleger zugewiesen bekam, bat ich ihn, mein Konto bei der
Volksbank in Kirchberg zu überprüfen. Er konnte von dort Kontounterlagen
mitbringen, aus denen der Eingang dieser Gelder hervorging. Als meine
Eltern davon erfuhren, löste das bei ihnen eine extreme
Alarmbereitschaft aus, und sie versuchten alles, um mir diese Unterlagen
wieder zu entwenden. Sie bemächtigten sich meines Wohnungsschlüssels und
durchsuchten meine Wohnung nach meinen Unterlagen, fanden sie aber
nicht. Von dem Geld bekam ich nur das, was sie zuvor von meinem eigenen
Einkommen entwendet hatten. Alles andere behielten sie für sich.
Mein Vater versuchte danach noch,
mich mittels einer dreisten Lüge in die Psychiatrie einweisen zu lassen.
Er behauptete, ich hätte ihm eine Flasche an den Kopf geschlagen. Den
Ärzten schien diese Behauptung aber nicht glaubwürdig, weil sie die
fadenscheinigen Anschuldigungen meines Vaters schon kennengelernt
hatten. Außerdem setzten sie Vertrauen in meine Friedfertigkeit und
gaben mir Ausgang. Auf dem Anwesen der Klinik traf ich den
Krankenwagenfahrer Walter Schmidt, einen jungen Mann aus Reckershausen.
Dem erzählte ich von der Behauptung meines Vaters, und er antwortete:
„Ja, dass du deinem Vater eine Flasche an den Kopf geschlagen haben
sollst, das erzählen sie im Dorf.“ Zu ihrer Sicherheit hatte man die
Lüge breitgetreten, aber davon wurde sie doch nicht wahr. In dem Dorf
der Schänder wäre das wohl schon ein hinreichender Beweis gewesen. Der
Kneipenwirt in Reckershausen, Otto Schmidt, bemerkte einmal treffend:
„Würde er doch mal richtig etwas verbrechen.“ Den Ärzten der Klinik aber
genügten solche durchschaubaren Winkelzüge nicht.
(Besse. 16.07.2017
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