Als ich schon offiziell als psychisch erkrankt galt,
also in der Psychiatrie gewesen war und danach in Reckershausen leben
musste, hat die alte Schänderbande dort versucht, mich mit allen Mitteln
zu Tode zu quälen.
Ich höre noch, wie Otmar Wies spottete: „Wenn du den
umbringst, wirst du auch noch bestraft dafür, obwohl du ihm doch einen
Gefallen tun würdest.“ Um mich wirklich eigenhändig umzubringen waren
sie jedoch alle zu feige. Außerdem hätte dann das ganze verbrecherische
Handeln an mir an die Öffentlichkeit kommen können. Das wollte man auf
jeden Fall verhindern. Man wollte mich zwar zu Tode quälen, aber
insgeheim. Diese Haltung fasste Otmar Wies in den Worten zusammen: „Was
wir mit dem gemacht haben, das darf niemals an die Öffentlichkeit
kommen.“ Und Manfred Keim fügte hinzu: „Sonst gnade uns Gott.“
Ihre Alten hatten mich in den Keller gesperrt, immer
wieder körperlich misshandelt und möglicherweise auch missbraucht, vor
allem, weil ich sie, nach gerade überstandener Lungenentzündung, mit
meinem Geschrei nach Geborgenheit bei ihren Sexpartys störte. Wie oft
hörte ich den Wirt der Dorfkneipe höhnen, ohne es wirklich begreifen zu
können: „Der war schon immer überflüssig. Da kam er halt in den Keller.“
Die Jungen waren von ihren Alten angestiftet worden,
mich psychisch zu demütigen. Hermann Wies forderte seinen Sohn Otmar
seit meiner frühesten Kindheit immer wieder auf: <Mach doch mal das oder
das mit ihm>. Mich hingegen hatten meine Eltern so psychisch gebrochen,
dass ich diese psychischen Verletzungen gar nicht erkennen und somit
hilflos und mit inneren Schmerzen über mich ergehen lassen musste. Ich
sollte spüren, wie sie mich verachteten und ‚weg‘ haben wollten. Und so
wurden diese Quälereien immer dreister und steigerten sich für mich ins
Unendliche. Es nahm kein Ende.
Von meinen Eltern fehlte mir jeder Rückhalt. Ich war
ein Vogelfreier und dazu noch zu verunsichert, um mich mit den grausam
verletzenden Worten der anderen auseinandersetzen zu können. Ich musste
sie ins Unterbewusstsein verdrängen, weil ich mit einer Gewissheit der
brutalen Verachtung, die mir entgegengebracht wurde, nicht hätte leben
können. Meine Eltern haben nie versucht, mir zu erklären, was da
geschah, im Gegenteil, sie setzen mir ihrerseits so zu, dass ich den
unbewusst aufgestauten inneren Druck im Umgang mit anderen Personen
durch hässliche Phrasen, die ich mir angewöhnt hatte, in einem dazu noch
überheblichem Ton an andere weitergegeben habe. Ich war mir dessen
keineswegs bewusst, was ich da tat und wie das von den anderen
aufgenommen worden sein muss.
Wenn das vorkam, quälten mich die anderen auf
grausame Weise mit ihren psychischen Demütigungen noch brutaler. Otmar
Wies sagte einmal: „Man weiß ja um alles, aber das braucht man sich
nicht gefallen zu lassen. Man könnte ja Rücksicht nehmen, aber nein, das
soll er spüren. Er begreift es ja sowieso nicht.“
Ich spürte es aber, und meine Schmerzen wuchsen ins
Unerträgliche.
Otmar Wies fügte noch hinzu: „Was hat der denn für
einen Ton drauf? Was glaubt der denn, wer er ist?“
Es war genau der Ton, den mein Vater mir gegenüber
anschlug, wenn er mich wieder einmal zusammen stauchte. Diesen Ton hatte
ich verinnerlicht und er trat, wenn ich unter Stress gesetzt wurde,
unbewusst ans Tageslicht. Wenn das geschah, dann stauchte man mich so
zusammen, dass ich nur noch von meinem Selbstmitleid zehrte und mir
immer wieder einredete: Irgendwann wird es besser werden.
Ein Anwesender bei einem solchen Ausbruch sprach
etwas aus, das ich erst heute richtig verstehen kann, obwohl ich es
immer im Ohr behalten habe: „Der weiß, was hier geschieht und weiß es
doch wieder nicht. Das ist das Schlimme. Die Leute machen ihn für etwas
verantwortlich, wofür er gar nichts kann.“
Otto Schmidt bemerkte öfter: „Ich weiß, wer da
eigentlich spricht. Das ist sein Alter. Dem kann man ja nichts, der hat
sie ja alle in der Hand. Dann kriegt es der hier eben ab. Dafür braucht
man doch keine Rechtfertigung.“ Einmal, als man mich in seiner Kneipe
wieder furchtbar gequält hatte, sagte Otto Schmidt: „Das weiß doch
keiner, warum der noch leben will. Man ginge ja noch mit zur
Beerdigung.“ Und ein anderer spottete: „Hätte er doch nur Aids.“ Worauf
Otto Schmidt antwortete: „Wo will der denn Aids her kriegen, den fasst
doch kein Mensch an.“
Wenn ich schon nicht tödlich erkranken wollte, so gab
es ja noch andere Möglichkeiten. So wollte mich Friedhelm Keim beim
Aufschlagen seines Dachstuhls in die Tiefe stürzen. Es sollte wie ein
ganz normaler Unfall aussehen.
Walter Echternacht bemerkte: „Es ist ja nur einer,
der sich nicht wehren kann.“ Otto Fuchs fügte hinzu: „Wenn man es selber
wäre, wäre es grausam.“ Mehrere sagten dann: „Warum kann dem nichts
passieren?“ Letztlich haben sie es alle so weit gebracht, dass ich in
zwei Selbstmordversuche getrieben wurde. Danach ging ich ins Dorf, um
darüber zu erzählen. Sie konnten dabei alle ihr inneres Grinsen nicht
unterdrücken.
Nach dem Tod meines Großvaters hatte mich kein Mensch
mehr liebevoll angefasst. Dies blieb so, bis, als ich 29 Jahre alt war,
meine Nichte zur Welt kam. Nach dem Tod meines Großvaters, der mich als
einziger Erwachsener in den Arm genommen hatte, sollte ich auch mit
meinem Zwillingsbruder nicht mehr in einem Bett schlafen. Da war ich
zwölf Jahre alt. Nun hatte ich gar keinen Körperkontakt mehr.
Mein Vater diktierte nur: „Nun braucht er mit dem
nicht mehr zu schlafen.“ Über dem Geschändeten senkte sich Kälte und
Dunkelheit.
(Besse. 05.05.2017)