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Meine Schändung

 

5.) Sie wollten mich totmachen

Als ich schon offiziell als psychisch erkrankt galt, also in der Psychiatrie gewesen war und danach in Reckershausen leben musste, hat die alte Schänderbande dort versucht, mich mit allen Mitteln zu Tode zu quälen.

Ich höre noch, wie Otmar Wies spottete: „Wenn du den umbringst, wirst du auch noch bestraft dafür, obwohl du ihm doch einen Gefallen tun würdest.“ Um mich wirklich eigenhändig umzubringen waren sie jedoch alle zu feige. Außerdem hätte dann das ganze verbrecherische Handeln an mir an die Öffentlichkeit kommen können. Das wollte man auf jeden Fall verhindern. Man wollte mich zwar zu Tode quälen, aber insgeheim. Diese Haltung fasste Otmar Wies in den Worten zusammen: „Was wir mit dem gemacht haben, das darf niemals an die Öffentlichkeit kommen.“ Und Manfred Keim fügte hinzu: „Sonst gnade uns Gott.“

Ihre Alten hatten mich in den Keller gesperrt, immer wieder körperlich misshandelt und möglicherweise auch missbraucht, vor allem, weil ich sie, nach gerade überstandener Lungenentzündung, mit meinem Geschrei nach Geborgenheit bei ihren Sexpartys störte. Wie oft hörte ich den Wirt der Dorfkneipe höhnen, ohne es wirklich begreifen zu können: „Der war schon immer überflüssig. Da kam er halt in den Keller.“

Die Jungen waren von ihren Alten angestiftet worden, mich psychisch zu demütigen. Hermann Wies forderte seinen Sohn Otmar seit meiner frühesten Kindheit immer wieder auf: <Mach doch mal das oder das mit ihm>. Mich hingegen hatten meine Eltern so psychisch gebrochen, dass ich diese psychischen Verletzungen gar nicht erkennen und somit hilflos und mit inneren Schmerzen über mich ergehen lassen musste. Ich sollte spüren, wie sie mich verachteten und ‚weg‘ haben wollten. Und so wurden diese Quälereien immer dreister und steigerten sich für mich ins Unendliche. Es nahm kein Ende.

Von meinen Eltern fehlte mir jeder Rückhalt. Ich war ein Vogelfreier und dazu noch zu verunsichert, um mich mit den grausam verletzenden Worten der anderen auseinandersetzen zu können. Ich musste sie ins Unterbewusstsein verdrängen, weil ich mit einer Gewissheit der brutalen Verachtung, die mir entgegengebracht wurde, nicht hätte leben können. Meine Eltern haben nie versucht, mir zu erklären, was da geschah, im Gegenteil, sie setzen mir ihrerseits so zu, dass ich den unbewusst aufgestauten inneren Druck im Umgang mit anderen Personen durch hässliche Phrasen, die ich mir angewöhnt hatte, in einem dazu noch überheblichem Ton an andere weitergegeben habe. Ich war mir dessen keineswegs bewusst, was ich da tat und wie das von den anderen aufgenommen worden sein muss.

Wenn das vorkam, quälten mich die anderen auf grausame Weise mit ihren psychischen Demütigungen noch brutaler. Otmar Wies sagte einmal: „Man weiß ja um alles, aber das braucht man sich nicht gefallen zu lassen. Man könnte ja Rücksicht nehmen, aber nein, das soll er spüren. Er begreift es ja sowieso nicht.“

Ich spürte es aber, und meine Schmerzen wuchsen ins Unerträgliche.

Otmar Wies fügte noch hinzu: „Was hat der denn für einen Ton drauf? Was glaubt der denn, wer er ist?“

Es war genau der Ton, den mein Vater mir gegenüber anschlug, wenn er mich wieder einmal zusammen stauchte. Diesen Ton hatte ich verinnerlicht und er trat, wenn ich unter Stress gesetzt wurde, unbewusst ans Tageslicht. Wenn das geschah, dann stauchte man mich so zusammen, dass ich nur noch von meinem Selbstmitleid zehrte und mir immer wieder einredete: Irgendwann wird es besser werden.

Ein Anwesender bei einem solchen Ausbruch sprach etwas aus, das ich erst heute richtig verstehen kann, obwohl ich es immer im Ohr behalten habe: „Der weiß, was hier geschieht und weiß es doch wieder nicht. Das ist das Schlimme. Die Leute machen ihn für etwas verantwortlich, wofür er gar nichts kann.“

Otto Schmidt bemerkte öfter: „Ich weiß, wer da eigentlich spricht. Das ist sein Alter. Dem kann man ja nichts, der hat sie ja alle in der Hand. Dann kriegt es der hier eben ab. Dafür braucht man doch keine Rechtfertigung.“ Einmal, als man mich in seiner Kneipe wieder furchtbar gequält hatte, sagte Otto Schmidt: „Das weiß doch keiner, warum der noch leben will. Man ginge ja noch mit zur Beerdigung.“ Und ein anderer spottete: „Hätte er doch nur Aids.“ Worauf Otto Schmidt antwortete: „Wo will der denn Aids her kriegen, den fasst doch kein Mensch an.“

Wenn ich schon nicht tödlich erkranken wollte, so gab es ja noch andere Möglichkeiten. So wollte mich Friedhelm Keim beim Aufschlagen seines Dachstuhls in die Tiefe stürzen. Es sollte wie ein ganz normaler Unfall aussehen.

Walter Echternacht bemerkte: „Es ist ja nur einer, der sich nicht wehren kann.“ Otto Fuchs fügte hinzu: „Wenn man es selber wäre, wäre es grausam.“ Mehrere sagten dann: „Warum kann dem nichts passieren?“ Letztlich haben sie es alle so weit gebracht, dass ich in zwei Selbstmordversuche getrieben wurde. Danach ging ich ins Dorf, um darüber zu erzählen. Sie konnten dabei alle ihr inneres Grinsen nicht unterdrücken.

Nach dem Tod meines Großvaters hatte mich kein Mensch mehr liebevoll angefasst. Dies blieb so, bis, als ich 29 Jahre alt war, meine Nichte zur Welt kam. Nach dem Tod meines Großvaters, der mich als einziger Erwachsener in den Arm genommen hatte, sollte ich auch mit meinem Zwillingsbruder nicht mehr in einem Bett schlafen. Da war ich zwölf Jahre alt. Nun hatte ich gar keinen Körperkontakt mehr.

Mein Vater diktierte nur: „Nun braucht er mit dem nicht mehr zu schlafen.“ Über dem Geschändeten senkte sich Kälte und Dunkelheit.

(Besse. 05.05.2017)